Die Symphonic Winds Wetterau haben in den vergangenen Jahren nicht nur ihr Publikum bewegt, sondern auch Spuren in der Presse hinterlassen. Konzertkritiken, Ankündigungen und Berichte spiegeln wider, wie unsere Programme, Klangfarben und musikalischen Geschichten aufgenommen wurden.
Auf dieser Seite finden Sie eine chronologische Sammlung ausgewählter Presseartikel rund um unsere Konzerte und Projekte. Die neuesten Beiträge stehen oben – ältere Berichte führen zurück zu den Anfängen des Orchesters und zeigen, wie sich unser musikalischer Weg über die Jahre entwickelt hat.
Blättern Sie durch Stimmen aus der Presse und werfen Sie einen Blick auf die Resonanz, die unsere Musik über den Konzertsaal hinaus gefunden hat.
Die mit dem Rhythmus tanzen — 29.04.2025
Ober-Mörlen (Wetterauer-Zeitung – hau). Auf eine wundervolle Reise in rassigen Rhythmen und mitreißenden Melodien nahmen die »Symphonic Winds Wetterau« (SWW) am vergangenen Sonntag ihr dicht gedrängtes Publikum in der St.-Remigius-Kirche mit. Es gab Standing Ovations für die 45 Musikerinnen und Musikern, die unter der feinfühligen Leitung von Guido Rotter mit großer Spielfreude und Professionalität berauschende Klangbilder vom amerikanischen Kontinent mit seinen fantastischen Landschaften und urwüchsigen Tänzen zeichneten.
Höchstes Niveau
Auf höchstem Niveau spannte das Auswahlorchester den musikalischen Bogen in seinem Jahreskonzert von abenteuerlichen Bergmassiven und Sonnenaufgängen im Osten Nordamerikas über mitreißende Kanufahrten auf den großen Strömen im Herzen des Kontinents bis hin zu beschwingter Folklore und den feurigen Tänzen Lateinamerikas. Dieses sechste thematische Jahreskonzert seit Orchestergründung setzte den vorangegangenen Themenkomplexen mit in Musik gemalten Landschafts- und Kulturbildern eine virtuose Krone auf. Die kenntnisreiche Moderation von Josephine Rotter, diesmal auch als Musikerin am Glockenspiel und am Keyboard eingebunden, verschmolz die Konzertstücke zum glanzvollen Ganzen.
Über alle Register hinweg überzeugten die Musiker mit dynamischem Fingerspitzengefühl und Sicherheit auch in den schwierigsten rhythmischen Passagen, jederzeit zuverlässig getragen von einer glänzend aufgestellten Rhythmusgruppe. Kraftvoll, freudig und dramatisch gestaltete das Orchester mit James Barnes’ Appalachian Overture den Konzertauftakt. Immer wieder gelang es dem großen Klangkörper mit Akkuratesse, die nicht eben leicht zu händelnde Kirchenakustik für seine Zwecke zu nutzen.
Über dem Red Rock Mountain von Rossano Galante schien förmlich die Sonne aufzugehen, durch die Kirchenfenster lugte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich die Abendsonne hinein. Die Suite of Old American Dances aus der Feder von Robert Russell Bennett entführte geradezu magisch auf die Tanzflächen des frühen 20. Jahrhunderts und die Second Suite for Band von Alfred Reed in heißblütig durchtanzte Nächte in Lateinamerika. Ganz nah am Publikum schlich sich Astor Piazzollas Libertango ohrwurmartig in die Herzen der Konzertgäste, die sich tief vor der synkopischen Fingerfertigkeit der Musiker verneigten.
Arturo Márquez’ Danzón No. 2 setzte dem furiosen lateinamerikanischen Konzertteil die brillante Sahnehaube auf. Das Auditorium fieberte förmlich mit, und vor dem geistigen Auge spielten sich Tanzszenen zwischen Tango und Paso Doble ab. Ruhigere Passagen, die dank der zeitgenössischen Transkription durch Frank Ticheli majestätisch an- und abschwollen, bescherte der Folkloreklassiker »Shenandoah« und in der Zugabe seine Bearbeitung von Amazing Grace. Diesen Klassiker gab das Orchester dem ebenso euphorischen wie dankbaren Publikum als Segenslied mit auf den Heimweg.
Hommage an die Natur — 21.03.2024
Hanna von Prosch – Wetterauer Zeitung: Der Frühling zieht ein. Es erwacht die Natur. Das Jahreskonzert der Symphonic Winds Wetterau unter der Leitung von Guido Rotter steht ganz unter dem Eindruck, zwischen Erde und Himmel zu schweben. Das Publikum in der nahezu vollbesetzten St. Remigius-Kirche in Ober-Mörlen lauscht andächtig.
Symphonische Luft weht durch den Kirchenraum und erhellt den Sonntagnachmittag. Symphonic Winds Wetterau hat durch seinen Gründer Guido Rotter seine Konzertheimat in Ober-Mörlen. Die Schönheit von Heimat und Natur, in Musiksprache umgesetzt, ist auch das Motto des diesjährigen Programms.
Mit dem Flug des Adlers über die Berglandschaft in »From Crystals and Eagles« von Thomas Doss beginnt das Konzert. Der imposante Vogel schwingt sich in die Luft, gleitet melodiös über die Landschaft. Man spürt die Luftwirbel um ihn, den Flügelschlag, wird im choralhaften Mittelteil von Andacht ergriffen.
Viel Beifall für Solistin
Einblick in die Stücke gibt Josefine Rotter, sodass man sich noch leichter in das Naturerleben fallen lassen kann. Wie bei »Wonders of Nature« des belgischen Komponisten Bert Appermont. Es ist der Soundtrack für einen vierteiligen Naturfilm. Perlende Töne kündigen, begleitet von der Soloklarinette, den Ursprung des Lebens an. Blumen brechen aus der Erde hervor, die Blätter der Bäume entfalten sich wie im Zeitraffer. Tiere spitzen aus ihren Erdlöchern. Stille kehrt ein, Wasser zaubert minimalistische Melodien. In Dissonanzen und Forti malen die Bläser den Kampf um die Verteidigung des Reviers, der sich rein auf die musikalische Absicht beschränkt. Denn im Orchester heißt es nicht, wer ist der Stärkste. Im organischen Zusammenspiel entfalten die Instrumentengruppen ihre klangliche Persönlichkeit. Sie lassen die Töne der Stille wie ein Windhauch ineinanderfließen oder plätschern wie die Wasserschnellen im Bach.
Viel Beifall findet das Publikum für Josephine Rotter als Gesangssolistin in Gabriellas Lied aus dem Film »Wie im Himmel«. Überzeugend unterstreicht sie den lyrischen Charakter, Zuversicht ausstrahlend. »Terra Mystica« lautet ein weiteres Stück von Thomas Doss. Es ist eine Würdigung für ein Dorf in Österreich mit den Bezeichnungen Pastorale, Cathedral und Homeland. Beschwingt und pfiffig im Wortsinn drücken Symphonic Winds die unbeschwerte Freude beim Dorffest aus, bevor die Glocken am Morgen zum Gebet rufen. Das tiefe Blech weicht einer andächtigen Klarinettenmelodie. Geschmeidig schließt sich das Orchester den Solisten an und endet leise im unisono Gesang »Miserere nobis«.
Attacca geht es weiter mit einem Schuhplattler, bevor die Hörner wieder zufriedene Harmonie ins Dorf tragen. Schwierige Taktwechsel und die gleichmäßigen, leicht wirkenden Viertelnoten zeugen einmal mehr vom überdurchschnittlichen Können der Bläserinnen und Bläser.
Höhepunkt des Programms ist das Adagio aus Gustav Mahlers 3. Sinfonie. Man kann sie in ihrer Intension als Naturschauspiel bezeichnen, das im sechsten Satz in einem Hymnus an die Liebe Gottes gipfelt: »Was mir die Liebe erzählt«. Allerdings verwarf Mahler aus Bedenken vor Fehlinterpretationen seine Satztitel wieder. Fein spinnen Klarinetten und Saxophon ein Gefühl von Ehrfurcht. Aus der Zartheit wächst der Glaube der Beständigkeit der Liebe Gottes, ist Mahler gewiss.
Empfindsames Dirigat
Nicht nur an dieser Stelle beeindruckt das empfindsame Dirigat Guido Rotters. Man hat das Gefühl, die Musik durchfließe ihn und seine zurückhaltenden Impulse leiten den Strom an den Klangkörper weiter, der sie aufnimmt und mit »Wind« mal sanft gehaucht, mal kräftig blasend umspielt. Den Abschluss bildet eine Reise zum Mont-Blanc-Massiv, komponiert von Otto M. Schwarz. Die lautmalerische Faszination des von Trommeln begleiteten Aufbruchs, der schwere Aufstieg im Wechsel von piano und forte, die Gefahr durch einen Schneesturm geht dem Publikum unter die Haut. Rotter steht darin selbst wie ein Fels, wenn der Klang massiv wird, aber nie massig. Die Luft klärt sich und durchströmte Mensch und Natur.
Dieses Laienorchester musiziert von Leidenschaft durchdrungen und von hoher Qualität unter der Hand eines von Musik beseelten Dirigenten. Mit der Zugabe, einem englischen Abendsegen, an der Orgel begleitet von Josefine Rotter, machen sich nach langen dankbaren Ovationen die Zuhörerinnen und Zuhörer im Herzen berührt auf den Heimweg.
Tiefgang auf hohem Niveau — 05.05.2023
Annette Hausmanns – Wetterauer Zeitung: Seit anderthalb Jahren strahlt Ober-Mörlens katholische Kirche in neuem Glanz. Seither genießen immer mehr Menschen eine Einkehr in Stille oder bei zarter Hintergrundmusik und Lichtakzenten. Nun bot sich die Gelegenheit, den Klangraum Kirche in seiner überwältigenden Fülle und Pracht zu erleben: Das symphonische Auswahlorchester Symphonic Winds Wetterau nahm mit auf einen berührenden Tauchgang in die Tiefen hochwertiger Blasmusik.
Mit Standing Ovations feierte das Publikum die 40 Musiker und ihren Dirigenten Guido Rotter. Wesentlichen Beitrag zum musikalischen Tiefgang auf hohem Niveau leistete Josephine Rotter mit ihrer hintergründigen Moderation.
Eine kristallklare Pikkoloflöte
Druckvoll hob das Orchester zu ebenso bodenständigen wie sphärisch schimmernden »Canzun« (Gesängen) des zeit- und eidgenössischen Komponisten Oliver Waespi an. Mal dynamisch bewegt, mal lyrisch getragen sah man förmlich die Alpen glühen. Orts- und Stimmungswechsel hinein in die fantastische Kathedrale von Canterbury. Mit geschlossenen Augen, offenen Ohren und weiten Herzen entfaltete sich die getragene und an Klangfarben extrem reiche Chorale, mit der Komponist Jan van der Roost den imposanten Klangraum nachzeichnete. Die üppig besetzten Register malten mal einzeln, mal im vollen Klangkörper die reichhaltige Klangfarbenpalette unter die Haut.
Wer an diesem frühen Frühlingsabend im Kirchenschiff auch hinschaute, sah das Leuchten der durchsonnten Fenster, und als hätte jemand Höheres die Hand im Spiel, wurden die beiden silbern funkelnden Tuben, die Euphonien und Posaunen in gleißendes Sonnenlicht getaucht – wie um zu unterstreichen, welch ein Glück dieses Orchester mit seinem breit aufgestellten musikalischen Fundament hat, auf dem sich alle Stimmen bis in die kristallklare Pikkoloflöte hinauf entfalten können.
Das taten sie denn auch, die Posaunen, Hörner und Trompeten, die Fagotte und Oboen, die Saxofone, Klarinetten und Querflöten – ein jedes auf seine feine Weise wundervoll auch in Dynamik und Zusammenspiel. Großartig meisterten die vier Schlagwerker an Pauken, Trommel, Xylophon, Schlagzeug und allerlei rhythmischen Instrumenten die akustischen Herausforderungen im Kirchenraum. Mit den betörenden Choralfantasien von Christian Sprenger zu Martin Luthers »Ein feste Burg« und »Lobe den Herren« klangmalten Guido Rotter und seine »Symphonic Winds Wetterau« frischen Wind voll Zuversicht in das strahlende Gotteshaus.
Zart bis in die Haarspitzen geriet das von Ivor Bosanko aufgeschriebene Liebeslied »Share my Yoke«. Simone Schuchmann am Altsaxofon und Walter Freisleben am Euphonium tauchten filigran ein in die poetische Schönheit des einst von Joy Webb erdachten Songs. Genüsslich konnte man sich den letzten, durch den großen Klangraum schwebenden Ton auf der Seele zergehen lassen.
Mit Pauken und Trompeten und fast wie mit Schalmeien durchtanzte das Orchester an der sicher führenden Hand von Guido Rotter Tielman Susatos mittelalterliche »Danserye« aus beschwingten Schreit- und Rundtänzen, um im nächsten Schritt mit Richard Wagners Tannhäuser im herzzerreißenden Pilgerchor zur Wartburg zurückzukehren – ein Stück von dramatischer Leuchtkraft und um Erbarmen flehenden Klarinetten-Kaskaden.
Metapher für das Leben
Als »Metapher für das Leben« umschrieb Josephine Rotter die zwischen dunkel und hell changierenden Choralvariationen von Philip Sparke.
Diesem letzten extremen Spannungsbogen verliehen die Register zwischen dunkler Tiefe, pulsierendem Rhythmus, lyrischer Mitte und hohem Holz atemberaubende Leuchtkraft. Wie entfesselt sprang das Publikum auf, um seiner Begeisterung in nicht enden wollendem Beifall Luft zu machen. Das Sahnehäubchen setzen »Symphonic Winds Wetterau« ihrem Jahreskonzert auf Oberstufenniveau mit Johann Sebastian Bachs Toccata in d-Moll auf.
Jan van Kraeydoncks Rockversion des prachtvollen Stücks war eine Verbeugung vor der Musik und all denen, die sie an diesem berührenden Frühlingsabend zum Erlebnis im »Klangraum Kirche« werden ließen.
Absage Konzert 2020 — 22.03.2020
SWW – in eigener Sache:
Wegen der Corona-Pandemie sehen wir uns leider gezwungen, unser Jahreskonzert 2020 in der St. Remigius Kirche Ober-Mörlen abzusagen. Wir möchten unseren Beitrag zur Eindämmung der Verbreitung des Virus leisten und stützen daher voll die von unserer Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen.
Wir informieren Sie, sobald wir absehen können, ob und wann wir unser Konzert nachholen werden. Bis dahin wünschen wir allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern viel Gesundheit und Unterstützung. Achten Sie auf sich und andere, ihre Symphonic Winds Wetterau!
Jahreskonzert 2020 der Symphonic Winds Wetterau — 29.02.2020
Am Sonntag, den 22. März 2020 wird das symphonische Blasorchester „Symphonic Winds Wetterau“ unter dem Dirigat von Guido Rotter in der St. Remigius-Kirche sein Jahreskonzert geben. Das Konzert beginnt um 17:00 Uhr und steht unter dem Motto “Zwischen Erde und Himmel”. Zu hören sind u.a. Werke, wie „Mont-Blanc“ von Otto M. Schwarz, welche die Schönheit unserer Natur beschreiben, aber auch Werke, die im metaphorischen Sinne zu verstehen sind, wie das Schlussthema aus der 3. Symphonie von Gustav Mahler. Gustav Mahler notierte hierzu: „Das Finale der Dritten könnte ich beinahe ‚Was mir Gott erzählt‘ nennen, in dem Sinne, dass Gott eigentlich nur als Liebe verstanden werden kann“.
Der Eintritt zum Konzert ist frei, über Spenden freuen wir uns aber sehr.
Musikalisches Feinschmeckermenü — 20.03.2019
Annette Hausmanns – Wetterauer Zeitung:
Wenn Ouvertüren den Zauber wecken können, dann haben die Zuhörer am Sonntagabend ein magisches Konzert erleben dürfen. Mit Standing Ovations feierten sie die 40 Musiker von »Symphonic Winds Wetterau« und ihren Dirigenten Guido Rotter. Seinen »Zauberstab« hatte Rotter mit feinem Fingerspitzengefühl durch innige wie rauschhafte Passagen eines Jahreskonzertes geführt, das beim Publikum in der St.-Remigius-Kirche wohlige Gänsehaut und Tränen der Rührung hervorrief. Seinen Teil zum Gelingen trug Hendrik Schaupp mit empathisch geschliffener Moderation bei.
Den Heißhunger des Publikums auf gute Musik wusste das Oberstufenorchester mit viel Verve zu stillen. Die feurige »Vorspeise« servierten die Bläser und Schlagwerker den Feinschmeckern in Form zweier italienischer Opern-Ouvertüren, die wie kaum eine andere Musik auf direktem Weg ins Blut gehen. In Giuseppe Verdis Ouvertüre zu »Nabucco« darf der Vorgeschmack auf den Gefangenenchor – Italiens heimliche Hymne – natürlich nicht fehlen, und der Aufmacher zu Giocchino Rossinis »Barbier von Sevilla« sprüht nur so vor wirbelnder Grazie, pulsierenden Rhythmen und der langsam anrollenden Steigerung des »Monsieur Crescendo«. Dass die leidenschaftlichen Musiker von »Symphonic Winds Wetterau« die gewaltigen Crescendi und die mitunter halsbrecherischen Figuren mit ansteckender Freude an der Musik meisterten, vertiefte die Lust auf die folgenden musikalischen Erzählungen. Den klangfarbenprächtigen Bogen spannte das Orchester vom Aufbegehren der Entrechteten (»Les Misérables«) im Paris des aufgewühlten 19. Jahrhunderts, über die Abenteuer von Tim und Struppi am peruanischen Sonnentempel, bis zu der rührenden Freundschaftsgeschichte von Maulwurf, Ratte, Dachs und dem Herrn Kröterich (»Der Wind in den Weiden«).
Nah an Originalkompositionen
In jeder Phase des Hauptganges blieb das Orchester seiner Maxime treu, hochwertige Transskriptionen mit symphonischem Charakter nahe an den Originalkompositionen zu erarbeiten. Auf dem soliden Fundament des voluminösen tiefen Bleches mit allein zwei Tuben und vier Waldhörnern konnten sich die Register frei entfalten. Komponierte Sonnenaufgänge oder rhythmische Trommelmusik am imaginären Lagerfeuer beflügelten die Fantasie.
Auf höchstem musikalischem Niveau bewegten sich die Musiker mit ihrem magischen Dirigenten bei Marcel Peeters Arrangement des Musicals »Les Misérables« ebenso wie bei Johan de Meij’s Arrangement von »Tintin – The Prisoners of the Sun« nebst schepperndem »Autounfall«. Die Charaktere aus dem von Johan de Meij vertonten Kinderbuch »The Wind in the Willows« zunächst einzeln musikalisch vorzustellen, kam bestens beim Publikum an. Bleibenden Eindruck hinterließ insbesondere der von der Posaune trefflich intonierte arrogante Kröterich. Beide Erzählungen rundete die preisgekrönte junge Pianistin Josephine Rotter bei ihrer Orchesterpremiere ab.
Zwei Sahnehäubchen setzte das Orchester seinem Jahreskonzert zum Dessert auf. »Lord Tullamore« von Carl Wittrock entpuppte sich als strahlende und technisch anspruchsvolle musikalische Malerei, die wundervollen irischen Landschaften und dem Lebensgefühl der grünen Insel mitreißendes Leben einhaucht. »Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder«: Das Feinschmeckermenü fand seinen emotionalen Abschluss bei Scholefield’s »Evening Song« in einem zauberhaften Arrangement von Jan de Haan. Derart auf den Geschmack gekommen, werden sich Orchester und Publikum im nächsten Frühling wieder zum Ohrenschmaus treffen.
Wie ein bunter Regenbogen — 21.03.2018
Annette Hausmanns – Wetterauer Zeitung:
Das Kirchenschiff im Herzen Ober-Mörlens hat schon so manchen musikalischen Höhepunkt erlebt. Am Sonntag dürfte aber selbst der Neuschnee rundum geschmolzen sein. Mit Standing Ovations feierte das zahlreich versammelte Publikum einen Konzertabend, der sich mit den schönsten Farben des Klangs in die Herzen schmiegte. Einem Regenbogen gleich hatten die 40 Musiker von Symphonic Winds Wetterau eine musikalische Brücke über Zeit und Raum gespannt. »Sie spielen, was zwischen den Zeilen steht«, zeigte sich Dirigent Guido Rotter überwältigt von der Klasse seines Orchesters. Den roten Faden hielt Hendrik Schaupp galant in seiner Moderatorenhand.
Eine Liebesgeschichte
Seit letztem Frühjahr hatten die hochkarätigen Amateure ihr zweites Jahresprogramm erarbeitet und sich alle fünf Wochen zur Probe getroffen. Die klangprächtige Reise führte über den Atlantik ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, zu wildromantischen Bergmassiven, brausenden Wasserfällen, ausgelassenen Festen und tragischen Liebesgeschichten. »Das ist kein Malen nach Zahlen«, vergleicht der leidenschaftliche Dirigent und weiß den hohen technischen Stand, die emotionale Kraft und die Spielfreude der erfahrenen Musiker aus der ganzen Wetterau zu schätzen.
Mal monumental, dann federleicht und schließlich dramatisch gestaltete das Orchester den Auftakt mit der »Appalachian Overture« aus der Feder von James Barnes – einer Zeitreise in die Anfänge des amerikanischen Traums. Auch das spannungsgeladene Tongemälde von Aaron Copland, seine »Appalachian Spring«, blieb im Südosten der Vereinigten Staaten, bei der Quelle eines Flusses. Die aus einer Ballettmusik entwickelte Orchestersuite beflügelte die Fantasie und löste dank ihrer »Simple Gifts« bei den Zuhörern Assoziationen zu irischem Stepptanz aus. Tatsächlich hatten Copland’s Variationen Eingang in ein Kirchenlied mit dem Titel »Lord of the Dance« gefunden.
Auf eine intensive – und musikalisch höchst diffizile – Reise durch »God’s Country«, das Land Gottes, führte das Meisterwerk des Filmkomponisten Rossano Galante. Man wähnte sich inmitten malerischer (Ton)Landschaften, lauschte tosenden Wasserfällen, Pauken und Trompeten. Hauchzart führte die Reise weiter über den Missouri, wo einst die Pelzhändler in ihren Kanus Lieder für die Ewigkeit in die Welt setzten. »Shenandoah« wurde unsterblich, wie es eine Liebesgeschichte mit der Seele des Flusses vereinigt.
Bei den »Moments for Morricone« ging indes förmlich die Post ab. Im gestreckten Galopp schienen »Zwei glorreiche Halunken« über die Prärie zu donnern, bei »Spiel mir das Lied vom Tod« verursachte das Orchester wohlige Gänsehautmomente. Hatte man eben noch Kojoten heulen und Peitschen knallen hören, so ging es im nächsten Augenblick mit George Gershwin, Jazz und konzertanter Symphonik auf klangfarbenreiche Weltreise bis nach Paris oder Kuba. Welthits aus Bernstein’s »West Side Story« verwob das Orchester unter Rotters präzisem Dirigat zu einem Freudentanz aus Jazz, Klassik und lateinamerikanischen Rhythmen. Dankbar folgte das Publikum in die Traumwelt des Zauberers von Oz, um sich schließlich glückselig irgendwo über dem Regenbogen wiederzufinden.
Mit Pauken und Trompeten — 24.03.2017
Annette Hausmanns – Wetterauer Zeitung:
Hut ab, ein derart brillanter Klangkörper hat Ober-Mörlens großes Gotteshaus noch nie erfüllt, jedenfalls nicht der eines Blasorchesters. Standing Ovations gebührten nach anderthalb Stunden wohliger Gänsehaut den 40 Musikern von »Symphonic Winds Wetterau« unter der sensiblen Leitung von Guido Rotter. Zu seiner Premiere brachte das neue Projektorchester eine solche Virtuosität, Harmonie und Spielfreude mit, dass es fast das Kirchendach zu heben schien.
Als »Wechselspiel zwischen Eintauchen und Fliegen« brachte es Moderator Hendrik Schaupp auf den Punkt, als er charmant hinter die Kulissen der hochkarätigen Musikauswahl zwischen Klassik und Fantasie, militärischem Stolz und tänzerischem Leichtsinn entführte – und im Namen der zahlreichen Zuhörer für die bewegende Musik dankte. Besonderer Dank gelte den wunderbaren Musikern und der katholischen Pfarrei, ihnen allen sei er sehr verbunden, betonte der Dirigent aus Ober-Mörlen, als er sich dankbar berührt ans Publikum wandte.
Buchstäblich mit Pauken und Trompeten eröffnete das sinfonische Blasorchester den Reigen anspruchsvoller Kompositionen mit der »Overture to a New Age« aus der musikmalerischen Feder des Niederländers Jan de Haan. Hin- und hergerissen zwischen vertonter Hoffnung und Euphorie, Zweifeln und Rückschlägen ließ sich das Publikum von der beseelten Interpretation der 40 Amateurmusiker auf Profiniveau zu dem Gefühl tragen, der Prozession in ein neues musikalisches Zeitalter beizuwohnen. Just in diesem Moment fielen die letzten Strahlen der Abendsonne auf die beiden blinkenden Kaiserbässe.
Wie am seidenen Faden geführt, entfalteten die Musiker aus der gesamten Wetterau bei Jef Penders temperamentvollen Paso-Doble-Fantasien ihr Können. Stete Taktwechsel, dynamische Raffinessen und das unsichtbar gezügelte Tempo brachten den gewünschten Spannungsbogen beinahe zum Bersten. Für seine »Second Suite for Band« sieht Alfred Reed im ersten Satz geradezu neckische Einwürfe vor, wunderbare Wendungen beim getragenen Tango, diffizile Tempi beim Guaracha und unfassbare Läufe beim abschließenden Paso-Doble. Kaum zu glauben, dass die Musiker aus den unterschiedlichsten Stammorchestern sich im vergangenen Jahr nur alle sechs Wochen zur gemeinsamen Probe trafen.
Steven Spielberg mischt mit
Bei John Williams‹ »Highlights from Hook« tauchten Musiker und Zuhörer ein in Steven Spielbergs fantastische Nimmerland-Welten. Die Feststimmung trug das Orchester hinüber in die Royal Albert Hall zur legendären »Last Night of the Proms«, an deren Schluss traditionell die umjubelte »Fantasia on British Sea Songs« steht. Auch ohne die dort üblichen Union Jacks und Tröten durchströmte das Kirchenschiff die mitreißende Atmosphäre jener Seemannslieder, die Sir Henry Wood einst zum 100. Jahrestag der Schlacht von Trafalgar zusammengestellt hatte. Szenenapplaus spendete das Publikum zum fulminanten Accelerando in der bekannten Hornpipe-Melodie »Jack’s the Lad«.
Nach dem britischen Herzrasen spendeten »Symphonic Winds Wetterau« zum Ausklang Gustav Holsts facettenreiche »First Suite in Es«. Durch alle Register floss die brillante Bass-Melodie, lange musikalische Bögen führten von sanft zu bombastisch bis sich die Klangfülle fanfarenartig zu entladen schien. Wie ein schützender Mantel legte sich als musikalischer Abendsegen die Zugabe über die Zuhörer, und sicher floss so manche Träne der Rührung zum »Irish Tune from County Derry«.
Ein einmaliges Erlebnis, das bei Musikern wie Zuhörern haften bleibt und die Hoffnung nährt, dass es auf diesem Niveau auch 2018 ein Jahreskonzert von »Symphonic Winds Wetterau« geben wird.
